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B 1 KR 25/17 R: Kodierung einer primären fokalen Hyperhidrose

    • Recht

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    • Urteil Bundessozialgericht, B 1 KR 25/17 R, Urteil vom 20.03.2018

      [...] Hiernach ist im Falle des Versicherten G90.9 (Krankheit des autonomen Nervensystems, nicht näher bezeichnet) als erklärende definitive Hauptdiagnose zu kodieren, nicht hingegen R61.0 (Hyperhidrose, umschrieben) als bloße Symptomdiagnose. Nach den unangegriffenen, den Senat bindenden (§ 163 SGG) Feststellungen des LSG lag dem Symptom Hyperhidrose eine Erkrankung des autonomen Nervensystems in Form einer Fehlsteuerung des Sympathikusnervs zugrunde. Die Fehlsteuerung des Sympathikusnervs ist eine die Symptomatik erklärende definitive Diagnose. Sie ist allerdings entgegen der Auffassung des LSG keine in die Resteklasse G90.8 (Sonstige Krankheiten des autonomen Nervensystems) einzuordnende Diagnose. Das Alphabetische Verzeichnis des ICD-10-GM führt zwar die "Reizung des sympathischen Nervensystems a.n.k." und die "Kompression eines Nervus sympathicus a.n.k." auf und ordnet beide G90.8 zu. Nach den Feststellungen des LSG ist aber weder eine Reizung noch eine Kompression des Sympathikusnervs gesichert, sondern eben nur eine Fehlsteuerung aus insoweit unbekannter weiterer Ursache. Diese Fehlsteuerung stellt eine im Alphabetischen Verzeichnis erfasste "Störung des sympathischen Nervensystems" bzw eine "Störung eines sympathischen Nerven" dar, die dort G90.9 zugeordnet ist. Eine vorrangige anderweitige Einordnung dieser Störung erfolgt durch das Systematische Verzeichnis nicht.

      Quelle: sozialgerichtsbarkeit.de | Bundessozialgericht, Urteil vom 20.03.2018
    • Rechtsanwalt Friedrich W. Mohr: Newsletter Hyperhidrose

      B 1 KR 25/17 R - Der vorliegende Rechtsstreit dreht sich um die korrekte Verschlüsselung der Hyperhidrose, die mittels einer thoraskopischen Sympathektomie behandelt wird. Während in der R61.0 ICD-10-GM 2009 nur Symptome verschlüsselt werden, bezieht sich die G90.8 ICD-10-GM 2009 auf die Behandlung der Krankheiten des autonomen Nervensystems. Für die richtige Verschlüsselung der Hauptdiagnose ist daher maßgeblich die Ziffer D002f DKR. Bei der thoraskopischen Sympathektomie wird die primäre fokale Hyperhidrose als Erkrankung des autonomen Nervensystems behandelt. Demgegenüber wird in R61.0 ICD-10-GM 2009 nur das Symptom abgebildet. Insoweit lag daher – wie das BSG zu Recht erkannt hat – eine genauere Diagnose, nämlich die G90.8 ICD-10-GM 2009, vor. Diese stellte somit die Hauptdiagnose dar und führte zur Abrechnung der DRG B06B....

      Quelle: medizinrecht-ra-mohr.de
    • Terminbericht Nr. 13/18 Kodierung einer primären fokalen Hyperhidrose

      Ist bei einer Krankenhausbehandlung wegen einer primären fokalen Hyperhidrose die Hauptdiagnose nach der Nummer G90.8 oder nach der Nummer R61.0 des ICD-10-GM 2009 zu kodieren?

      Der Senat hat die Revision der beklagten KK zurückgewiesen. Die klagende Krankenhausträgerin hat Anspruch auf Zahlung weiterer Krankenhausvergütung. Ihr unstreitiger Anspruch auf 2861,64 Euro erlosch nicht, weil die Beklagte mit ihrem Erstattungsanspruch wegen Überzahlung von Vergütung nicht wirksam aufrechnete. Die Klägerin durfte die höher vergütete DRG B06B abrechnen, nicht nur die niedriger vergütete DRG J10B. Als Hauptdiagnose war nämlich die Diagnose der Resteklassen "sonstige Krankheiten des autonomen Nervensystems" zu kodieren. Nach den Feststellungen des LSG waren deren Voraussetzungen durch die Fehlsteuerung des Sympathikusnervs erfüllt. Symptomdiagnosen wie "Hyperhidrose, umschrieben" kommen nur in Betracht, wenn keine genauere Diagnose möglich ist.

      Quelle: juris.bundessozialgericht.de
    • B 1 KR 25/17 R: Kodierung einer primären fokalen Hyperhidrose

      B 1 KR 25/17 R - Das Krankenhaus behandelte ein Patienten wegen einer primären fokalen Hyperhidrose mittels thoraskopischer Sympathektomie. Das Krankenhaus berechnete unter Kodierung der Hauptdiagnose ICD-10-GM (2009) G90.41 (Autonome Dysreflexie als Schwitzattacken) die Fallpauschale DRG B06B und erhielt hierfür von der Krankenkasse 5437,91 Euro. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung war der Meinung, Hauptdiagnose sei ICD-10-GM R61.0 (Hyperhidrose, umschrieben). Abzurechnen sei die geringer vergütete DRG J10B. Die Krankenkasse forderte vergeblich 2861,64 Euro zurück und kürzte in dieser Höhe unstreitige andere Forderungen der Klägerin. Das SG hat die Zahlungsklage abgewiesen. Das LSG hat die Krankenversicherung verurteilt, dem Krankenhaus 2861,64 Euro nebst Zinsen zu zahlen. Ursache der Hyperhidrose sei eine "Fehlsteuerung des Sympathikusnervs". Diese Erkrankung sei nach ICD-10-GM (2009) mit G90.8 (sonstige Erkrankung des autonomen Nervensystems) zu kodieren, die die DRG B06B ansteuere. Die Krankenkasse legte darauf Revision ein.

      Der 1. Senat des Bundessozialgerichts beabsichtigt am 20. März 2018 die Revision zu entscheiden.
      Anhängige Verfahren unter:
      SG Hamburg - S 6 KR 159/12
      LSG Hamburg - L 1 KR 56/14